WhatsApp führt selbstlöschende Nachrichten ein

0

In den vergangenen Wochen und Monaten hatte der führende Messenger-Dienst WhatsApp mit harscher Kritik von Nutzern und Datenschützern zu kämpfen. Nun gestand WhatsApp-Boss Will Cathcart Fehler ein, stellte aber auch einige Dinge klar, die viele User missverstanden hatten. Parallel dazu startet der zum Facebook-Konzern gehörende Messenger-Dienst eine Charmeoffensive.

Cathcart: „Das geht auf unsere Kappe“

„Nutzungsbedingungen“ heißt das Zauberwort, das die Gemüter in den vergangenen Monaten deutlich zum Kochen brachte. Sowohl Nutzer als auch Datenschützer gingen gegen den Versuch des Messengers, neue Nutzungsbedingungen durchzusetzen, auf die Barrikaden. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Millionen User ankündigten, dem Dienst den Rücken kehren zu wollen, hat offenbar für Aufsehen in der Chefetage gesorgt. Im Kern ging es darum, dass WhatsApp künftig mehr Daten mit dem Mutterkonzern Facebook teilen wollte.

Wie WhatsApp-Chef Will Cathcart nun mitteilte, handelt es sich unter dem Strich um ein großes Missverständnis. Für Verwirrung hatte das Gerücht gesorgt, dass angeblich die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Chats aufgeweicht werden sollte. Dem widersprach Cathcart vehement. „Wir müssen klar kommunizieren, was wir machen und warum.“ Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass das Unternehmen zu spät auf die gestiftete Verwirrung reagiert habe. „Wir wurden erst klarer, als wir die Verwirrung sahen. Das geht auf unsere Kappe.“

Keine Aufweichung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

WhatsApp bietet bereits seit rund zehn Jahren eine starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Diese hindert sogar den Mutterkonzern daran, auf private Chat-Inhalte zuzugreifen. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Dementsprechend hat sich der Messenger-Dienst sogar gegen die Vorstöße einiger Staaten (darunter auch Deutschland) durchgesetzt, diese Verschlüsselung aufzuweichen.

Diesen staatlichen Begehrlichkeiten, private Chatnachrichten mitzulesen, erteilte Cathcart eine Absage: „Ich hoffe, dass Regierungen mit der Zeit einsehen, dass die wichtigste Rolle, die sie spielen können, darin besteht, für mehr Sicherheit zu sorgen.“ Im Kern der Änderungen ging es niemals im Inhalte, sondern um Meta-Daten. Dazu zählt beispielsweise, welche User wie oft mit wem Kontakt haben. Nützlich sind solche Daten insbesondere für Werbetreibende. Nichtsdestotrotz hat sich WhatsApp durch die Verwirrung selbst ein Ei ins Nest gelegt, das nun kompensiert werden muss, um das Nutzervertrauen zurückzugewinnen.

Nutzungseinschränkungen scheinbar vom Tisch

WhatsApp hat nun eine große Aufgabe vor sich. Allem voran ist Cathcart daran gelegen, die Wogen zu glätten. Demnach scheint auch das Vorhaben vom Tisch, dass User, die den geänderten Nutzungsbedingungen nicht zustimmen, nicht mehr auf diverse Grundfunktionen zugreifen können. Alternativ könnte es in Zukunft schlicht so sein, dass lediglich neue Features nicht genutzt werden können.

Das betrifft laut WhatsApp voraussichtlich jedoch nur Funktionen zur Kommunikation mit Unternehmen. Hinzu kommen weitere neue Funktionen zum Schutz der Privatsphäre. Geplant sind unter anderem Nachrichten, die sich nur ein einziges Mal lesen lassen und sich anschließend selbst löschen. Ideal sei dies etwa für das Versenden von Passwörtern oder vertraulichen Informationen.

WhatsApp startet Werbekampagne

Damit reagiert WhatsApp auf das Bedürfnis vieler User, dass Chatverläufe nicht ewig gespeichert werden. „Die Menschen wollen insgesamt nicht, dass ihre Nachrichten für immer erhalten bleiben. […] Wenn wir uns unterhalten, haben wir kein Aufnahmegerät dabei. Insofern ist es seltsam, dass digitale Chat-Plattformen die für immer speichern”, so Cathcart. Einen definitiven Zeitpunkt, ab dem unter anderem diese neue Funktion eingeführt wird, nannte das Unternehmen jedoch nicht.

Was jedoch klar ist, ist der Start einer Werbekampagne am kommenden Montag. Im Rahmen dieser Kampagne startet WhatsApp in Deutschland und Großbritannien eine Charmeoffensive mit kurzen Videoclips. Diese sollen verdeutlichen, dass bei WhatsApp nur die Adressaten den Klartext verschickter Nachrichten lesen können – nicht aber WhatsApp, Facebook oder ein Dritter. Auch wenn die Kampagne Medienberichten zufolge bereits deutlich länger geplant war, könnte der Zeitpunkt nicht treffender sein. Immerhin ist das Image des Riesen derzeit beschädigt wie kaum zuvor.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here