Paukenschlag: Google verzichtet auf Tracking und individualisierte Werbung

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Google steht bei Werbetreibenden und Usern seit jeher für individualisierte Werbung. Nun aber hat der US-Branchenprimus angekündigt, auf Tracking zu verzichten. Somit werden in Zukunft keine Anzeigen mehr geschaltet, die User über mehrere Websites hinweg tracken können. Mit dem Verzicht auf diese effektive Technik bringt Google aber vor allem die Konkurrenz ins Schwitzen.

Wirtschaftlicher Selbstmord oder kluger Schachzug?

Der Internetriese Google hat allein im ersten Quartal 2020 mit Anzeigen im Rahmen der Websuche rund 31,9 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Das entspricht immerhin zwei Dritteln des Konzernumsatzes von 47 Milliarden Dollar. Insofern scheint der Schritt der Google-Konzernspitze wie eine Harakiri-Aktion, die in den wirtschaftlichen Selbstmord mündet.

Immerhin erzielt Werbung, die nicht personalisiert werden kann, nicht annähernd die Einnahmen wie personalisierte Werbung. Dabei kommt die auf den ersten Blick so radikal wirkende Ankündigung des Unternehmens nicht überraschend. Schon im Jahr 2019 hat Google im Rahmen des Maßnahmenpakets „Privacy Sandbox“ einige Alternativen für die Post-Tracking-Cookie-Ära vorgeschlagen.

Googles Schwenk in die Post-Cookie-Ära

Für einige mag es überraschend sein, aber Google drückt sich unmissverständlich aus. So verzichtet man darauf, nach dem Ende des Einsatzes von Tracking-Cookies auf alternative Tracking-Methoden zu setzen. Eine alternative Technologie für die Nachverfolgung entwickelt man also nicht. Dazu konkret in einem Blog-Beitrag des Unternehmens:

„Um das Internet offen und zugänglich für alle zu halten, müssen wir alle mehr für den Schutz der Privatsphäre tun – und das bedeutet nicht nur ein Ende der Cookies von Drittanbietern, sondern auch jeglicher Technologie, die dazu verwendet wird, einzelne Personen beim Surfen im Internet zu verfolgen.“

Was ist Googles Alternative für den Werbemarkt?

Google wäre natürlich nicht der Branchenprimus im Online-Werbemarkt, wenn das Unternehmen nicht schon einige Ersatzpfeile im Köcher hätte. Mittels „Federated Learning of Cohorts“ (FLoC) möchte Google aus den Gruppeneigenschaften von Menschen Gemeinsamkeiten herausarbeiten.

Mit dieser Maßnahme soll das Individuum in der Menge des Cluster untergehen, ohne dass die werbespezifischen Daten verlorengehen. Bei der Verarbeitung soll der Browserverlauf geschützt sein. Stattdessen soll die Verarbeitung geräteintern stattfinden.

Seit über einem Jahr arbeitet Google mittlerweile an der Technologie und feilt dabei vor allem an der Qualität des Clustering-Algorithmus, um die Zielgruppe so genau wie möglich zu treffen. Die nun veröffentlichten Zahlen sind vielversprechend. Demnach erwartet das Google-Ad-Team über FLoC bis zu 95 Prozent der bisherigen Conversions via Tracking-Cookies.

Google setzt mit FLoC die Konkurrenz unter Druck

Schon im zweiten Quartal 2021 möchte Google mit FLoC an den Start gehen und das Konzept ersten Werbetreibenden anbieten. Das Unternehmen ist davon überzeugt, seinen Werbekunden damit eine zu den bisherigen Targeting-Methoden gleichwertige Alternative bereitzustellen.

Gleichzeitig betont man, dass man mit FLoC die Sicherheit und Privatsphäre der Internetnutzer sehr gut schützen möchte. Datenschützer sehen diese Entwicklung größtenteils positiv. Ganz und gar nicht gut dürfte diese Nachricht beim großen Konkurrenten Facebook in Palo Alto ankommen.

Immerhin ist es für Facebook bisher undenkbar, auf das Tracking per Fingerprinting oder Tracking-Cookie zu verzichten. Facebook steht also unter Zugzwang und wird wohl in absehbarer Zukunft ebenfalls eine Alternative enthüllen müssen.

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